#1

Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 13.01.2018 14:40
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Mutter: "Es war einst ein König, der hatte zwei Söhne. Der eine war mutig und stark, der andere jedoch war feige und schwach.
Es kam der Tag da der König spürte dass seine Zeit gekommen war. So handelte er weise und machte den ersten Sohn zu seinem Nachfolger. Der zweite Sohn aber war missgünstig und trachtete danach seinem älteren Bruder die Macht zu nehmen.
Er verbündete sich mit dem gierigen Hofmagier und zusammen stahlen sie dem König fast all seine Kraft, um sie zwischen den Sternen zu verbergen.
Der König entsandte seine besten Soldaten, um die Verräter zu jagen.
Als das Versteck endlich gefunden war folgte selbst der König in die Sterne hinaus, um sich an seinem Bruder zu rächen."
Tochter: "Naneth, glaubst du der König wird uns eines Tages retten?"
Mutter: "Seitdem sind viele Jahrhunderte vergangen. Doch eines Tages wird der König zurückkehren und seine Macht erneuern..."

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#2

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.02.2018 19:12
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Anfang Frühling des Jahres 1011

Almenos war von Unruhe erfüllt. Es waren nur noch wenige Tage bis Ansbert hingerichtet werden würde, doch statt mit wachsender Zufriedenheit erfüllte es den Stadthalter mit wachsendem Unbehagen. Es war ein Gefühl dass etwas passieren würde über das er keine Kontrolle hatte. Fröstelnd zog er den Mantel enger um seinen Körper. Der Winter war hart gewesen und selbst zum Fest des Frühlings wollte er Groß-Alkalsa nicht aus seinen Fängen geben. Die Bewohner Rimosels ließen sich davon kaum beeindrucken. In den Wirtshäusern, Tavernen und Festhallen war es warm und wurde ausgelassen gefeiert. Wie jedes Jahr war viel fahrendes Volk in der Stadt und heizte die Laune zusätzlich an. Durch eine kurz geöffnete Tür konnte Almenos einen Schwertschlucker sehen, der von der Menge angefeuert wurde. Feuerspucker trieben ihr wildes Spiel auf den großen Plätzen, wo sie keinerlei Gefahr darstellten und gegen die Schneeflocken ankämpften. Das Ziel des Stadthalters lag allerdings an einem abgeschiedeneren Ort.

Vor den Toren der Stadt erblickte Almenos ein großes Rund aus hölzernen Wagen. Die Pferde und Maultiere die den Gefährten normal voran gespannt waren, rasteten in Ställen an der Stadtmauer. Einer der Wagen war aus schwarzer Eiche gezimmert und jeder der ihn einmal erblickt hatte würde ihn immer wieder erkennen. So auch Almenos. Er erinnerte sich an die vielen Runen und Symbole die in das Holz geschnitzt waren und blieb einen Moment stehen wie um neuen Mut zu schöpfen. Vor zwei Jahren hatte er die alte Wahrsagerin schon einmal aufgesucht, als er verzweifelt nach einem Weg suchte den Fluch Kor'Nemeth's von Ceara zu nehmen. Damals hatte sie ihm Hoffnung gegeben und genau dies erhoffte er sich auch dieses Mal von ihr. Er atmete tief ein und ging die letzten Schritte durch den weichen Schnee. Er klopfte nicht da er wusste dass sie ihn bereits erwarten würde. Und wie bei ihrer ersten Begegnung öffnete sich auch dieses Mal die kleine Tür an der Rückseite des Wagens. Verschiedene Gerüche strömten dem Besucher entgegen und eine leise Stimme war zu vernehmen.
Wahrsagerin: "Eilt euch, werter Stadthalter, denn die Kälte ist nicht gut für meine Knochen."
Almenos betrat das enge Gefährt und drückte die Tür wieder zu. Er brauchte etwas Zeit um sich an das dämmrige Licht zu gewöhnen, während sein Gegenüber ein neues Räucherstäbchen auf eine kleine Kohlenpfanne legte.
Wahrsagerin: "Setzt euch, werter Herr, und erzählt mir was euch an solch einem unwirtlichen Tag in meinen bescheidenen Wagen führt."
Einmal mehr war es dem Stadthalter unmöglich den Akzent in ihrer Stimme zu bestimmen. Seine Hände tasteten nach dem Schemel auf dem er schon einmal gesessen hatte und ließ sich schließlich darauf nieder.
Almenos: "In wenigen Tagen, nach Ende des Festes, wird der verräterische Ansbert öffentlich hingerichtet. Die Dogeressa wird anwesend sein und das Volk erhofft sich ein großes Spektakel."
Wer wollte es ihnen verdenken? Ansbert hatte die Stadt mit seinen Schurken an sich gerissen und viele Jahre eine Schreckensherrschaft geführt. Es gab niemanden der nicht gelitten hatte, auch wenn dies alles vor Almenos' Zeit als Stadthalter geschehen war.
Almenos: "Genau wie vor zwei Jahren, als ich euch zum ersten Mal aufsuchte, erfüllt mich eine große Unruhe. Mir ist als würde etwas schreckliches passieren und ich fürchte um die Sicherheit meiner Tochter."
Für einen Moment schwieg die sehende Frau und schien über seine Worte nachzudenken.
Wahrsagerin: "Gebt mir eure Hand und ich versuche einen Blick auf eure Zukunft zu erhaschen."
Almenos schob seine Hand über den alten Holztisch dessen Unebenheiten er deutlich spürte. Die Hand der Wahrsagerin nahm sich im Vergleich zu seiner deutlich kleiner aus und auch ihr Griff war von geringer Kraft. Sie konzentrierte sich und senkte etwas den Kopf.
Wahrsagerin: "Ich sehe...viele Menschen um ein hölzernes Podest stehen. Ansbert der Verräter erhält seine gerechte Strafe und niemand versucht ihn zu retten. Er wird von Flammen verzehrt und leidet unendliche Qualen."
Almenos: "Das kann nicht sein. Ansbert wurde zum Tode durch den Strick verurteilt."
Er wollte seine Hand zurück ziehen, doch die Hand der Wahrsagerin schnellte vor und umschloss die seine nun mit eisernem Griff. Erschrocken hob der Stadthalter seinen Blick und suchte ihre Augen. Für einen Moment meinte er einen grünlichen Schimmer zu erkennen.
Wahrsagerin: "Ich sehe...noch etwas..."
Eiskalt rann es Almenos den Rücken hinunter und doch war er unfähig sich zu rühren.
Wahrsagerin: "Ich sehe eine Frau. Ihren Kopf schmückt eine Krone und doch ist sie bleich als wäre sie schon eins mit dem Strom. Sie..."
Die Welt schien sich um Almenos zu drehen. Für einen Augenblick verlor er jegliche Orientierung, bevor er sich in einem dunklen Zimmer wieder fand. Er saß auf der Kante eines Bettes und noch immer hielt jemand seine Hand fest. Jedoch sanfter, vorsichtiger...liebevoller. Auch wenn sie schon vor vielen Jahren gestorben war, strahlte die einstige Königin der 12 Auen eine wohltuende Wärme aus.
Almenos: "Liadana..."
Ihr Lächeln nahm jegliche Angst von ihm und tief in seinem Herzen spürte er wie sehr er sie noch immer vermisste...und wohl immer vermissen würde. Ihre Augen glitten zum Bett und Almenos erkannte wo sie sich befanden. Es war das Zimmer seiner Tochter im oberen Anwesen des Stadthalters. Ceara lag friedlich schlafend unter der warmen Decke neben ihnen.
Liadana: "Sieh sie dir an, Liebster. Unsere Tochter ist erwachsen geworden. Du hast gut auf sie Acht gegeben und alles dafür getan damit sie ein gutes Leben führen kann."
Sie legte auch ihre zweite Hand um die seine und sah ihn wieder an.
Liadana: "Almenos...wir haben nicht viel Zeit. Deine Freunde haben etwas in Gang gesetzt das sich nicht mehr umkehren lässt. Wenn nichts unternommen wird verschlingt das Licht am Ende alles Leben. Und unter jenen die etwas ausrichten können...ist auch unsere Tochter."
Ungläubig...fast unwillig sah er sie an.
Almenos: "Ich habe mir geschworen sie vor jedweder Gefahr zu schützen. Ich werde nicht zulassen dass sie sich in Gefahr bringt."
Liadana: "Vor einer Sache kannst du sie nun nicht mehr beschützen: Ihren eigenen Entscheidungen. Ich bitte dich diese zu akzeptieren. Nur dann wirst du Frieden finden...nur dann gibt es eine Zukunft."
Einen Moment herrschte Stille.
Liadana: "Ich spüre ihren Ruf. Es wird Zeit für mich zu gehen. Möge der Tag kommen an dem wir uns im Strom wiedersehen, doch ich wünsche dir dass bis zu diesem Tag noch viel Zeit vergeht."
Sie löste ihre Hände von der seinen und strich über seine Wange.
Liadana: "Hör auf dein Herz bei allem was kommt."
Er wollte sie bei sich behalten...ihr so viele Dinge sagen...doch es wurde ihm verwehrt. Er erhaschte einen letzten Blick von ihr, dann drehte sich alles um ihn und er fand sich im Wagen der Wahrsagerin wieder. Sie hielt seine Hand nur noch locker fest und war vornüber gesunken. Ihr regelmäßiger Atem sagte ihm dass sie eingeschlafen war. Vorsichtig löste Almenos seine Hand und legte ihr eine Münze auf den Tisch. Dann entschwand er wieder hinaus in die Kälte und hing den gesamten Rückweg seinen Gedanken nach.

Er wird von Flammen verzehrt...

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#3

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 10.03.2018 12:41
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Der Tag der Hinrichtung

Ceara erwachte früh am Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und selbst im Zimmer war es bitter kalt. Fröstelnd stieg die junge Frau aus dem Bett und eilte zum Kamin herüber. Sie legte ein paar Holzscheite zueinander und lächelte. Zwar hätte sie auch jemanden rufen können der sich um das Feuer kümmern würde, doch sie nutzte gern jede Gelegenheit um zu üben. Viele Monate waren in ihre Ausbildung geflossen und endlich war sie in der Lage die feurige Kraft in ihrem Inneren zu fokussieren. Ceara legte Daumen und Mittelfinger der linken Hand aneinander und ließ sie hörbar schnippen. Im nächsten Moment züngelte eine Flamme an der Spitze ihres Daumens. Vorsichtig schüttelte sie die Hand und ließ das Feuer sich bis zur Handfläche ausbreiten. Dann legte sie die Hand auf die Scheite und übertrug die Energie, durch die sich das Holz knackend entzündete. Zufrieden zog die Tochter des Stadthalters ihre Hand wieder zurück und schlüpfte unter die Decke.

Zur gleichen Zeit wurde Ansbert durch das laute Knarren seiner Zellentür geweckt. Eine Wache blieb an der geöffneten Tür stehen, während eine andere ein Tablett herein trug. Als es abgestellt wurde erblickte der einst selbsternannte Stadthalter Rimosel's einen Krug voll Wasser, eine dampfende Mahlzeit und...eine orangene Kerze.
Wache: "Dies ist deine letzte Mahlzeit, Ansbert. Vor der Hinrichtung werden dir ein Eimer zum Waschen und frische Kleidung gebracht."
Ohne ein weiteres Wort wandte sich die Wache um und wollte gehen.
Ansbert: "Was ist mit der Kerze?"
Wache: "Sie wurde gestern für dich abgegeben. Wie es scheint gibt es tatsächlich jemanden der sich um dein Seelenheil kümmert."
Ansbert nahm die Kerze in die Hand und streckte sie vor sich.
Ansbert: "Dann entzündet sie."
Die Wache zögerte.
Ansbert: "Ich werde schon nicht die Stadt damit in Brand setzen. Sie soll meiner...armen Seele den Weg in den Strom des Lebens weisen."
Mit einem Schulterzucken nahm die Wache die Kerze aus seiner Hand und entzündete sie an der Laterne die im Gang stand. Dann stellte sie sie wieder auf das Tablett und ging. Bald waren die Schritte verklungen und Stille kehrte ein. Und in dieser Stille hörte Ansbert eine düstere Stimme:
"Der Tag ist gekommen an dem euer erbärmliches Leben endet, Ansbert. Doch ihr werdet nicht gehen ohne diese Stadt ein letztes Mal in Schrecken zu hüllen. Höret aufmerksam zu...denn dies ist es was ihr als eure letzten Worte sagen werdet!"
Ansbert lauschte und ein irres Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Dann flüsterte er:
"Wenn diese Stadt nicht mir gehört...dann soll sie niemandem gehören!"

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#4

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 24.03.2018 15:23
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Stunden später

Alles war bereit. Zusammen mit dem Kommandanten der Stadtwache hatte Almenos einen Plan entworfen, der es unmöglich machen sollte die Hinrichtung zu stören. Die Wachen waren sowohl offiziel, wie auch als besser gestellte Bürger getarnt, auf den Straßen. Selbst in der Kanalisation hielten mehrere von ihnen die Augen offen. Magiern war es nur unter Abgabe ihres Stabs gestattet worden sich dem großen Platz, vor der Residenz des Stadthalters, zu nähern. Sämtliches Holz der Tribünen war mit Wasser benetzt worden, um es schwerer zu entflammen. Öl oder dergleichen brennbare Stoffe hatten keine Verwendung gefunden. Lediglich ein paar Kohlebecken waren aufgestellt worden, um der beißenden Kälte entgegen zu wirken. Auf der Haupttribüne hatte bereits die Dogeressa Platz genommen. Leicht hinter ihr stand, wie immer, Maxin und hielt seine Augen offen. Ab und an ließ Almenos seinen Blick zur Residenz gleiten. Er hatte seiner Tochter auf einem hoch gelegenen Balkon einen sicheren Platz zugewiesen. Von dort konnte sie alles sehen und hören, doch sich im Notfall auch schnell zurück ziehen.

Der große Platz war zum bersten gefüllt. Jeder, so schien es, wollte dabei sein, um das Ende des berüchtigten Ansbert mit anzusehen. Manch einer war aus Ylos oder den 12 Auen angereist, doch den weitesten Weg hatten die Amerionen auf sich genommen. Vom gesamten Platz war ein unentwirrbares Gemurmel zu vernehmen, da viele Zuschauer sich gegenseitig darin überboten angebliche Missetaten Ansberts zu erzählen.
Als plötzlich ein Trommelwirbel erscholl verstummten die Menge und aller Augen richteten sich auf die Straße, die vom Kerker auf den Platz führte. In Ketten und von mehreren Wachen flankiert betrat Ansbert den Ort seiner Hinrichtung. Er trug saubere Linnen und hatte das lange Haar nach hinten gebunden. Gegen die Kälte schützte ihn die einfache Kleidung nur wenig, doch es war niemand zugegen der ihn auch nur im geringsten bemitleidete. So stapfte er barfuß durch die kleine Gasse, die sich vor ihm in der Menge gebildet hatte. Schritt für Schritt erklomm er schließlich das Holzgerüst, wo bereits der Vollstrecker auf ihn wartete. Die Wachen brachten Ansbert in Position. Die Schlinge wurde um seinen Hals gelegt und die Ketten entfernt. Dann...war es für einen Moment totenstill. Während Ansbert seinen Kopf gesenkt hielt, erhob sich Almenos und entrollte ein Pergament.
Almenos: "Ansbert...Usurpator von Rimosel, Dieb, Mörder und Verräter...euch wurde der Prozess gemacht und ihr wurdet für schuldig befunden am Tode dutzender Menschen, sowie der mehrjährigen Unterdrückung der Bevölkerung von Rimsol schuldig zu sein. Eure Strafe soll der Strick sein und ihr werdet diesen solange mit eurem Körper strecken, bis alles Leben aus euch gewichen ist. Da eure Taten euch den Weg in den Strom des Lebens verwehren, wird euer Körper hiernach in der Erde verscharrt und mit einem Stein beschwert, so wie es der Brauch ist."
Almenos ließ das Pergament sinken. Er hatte wieder dieses Gefühl, dass etwas schreckliches passieren würde. Egal wie gut er sich abgesichert hatte, es schien als hätte er etwas vergessen.
Almenos: "Bevor die Strafe vollstreckt wird...habt ihr noch etwas zu sagen?"
Ansbert hob langsam den Kopf und starrte den Stadthalter an.
Ansbert: "In der Tat...das habe ich."
Er streckte sich und drehte den Kopf. Ein jeder schien den Atem anzuhalten und in Almenos' Kopf schrie alles danach den Schurken nicht sprechen zu lassen. Schließlich fanden Ansberts Augen Ceara und seine Stimme war laut und deutlich zu vernehmen.
Ansbert: "Anash zul'kedar! Arh zivash nor Tir'Azall!"
Kaum hatte der Schurke geendet schien die Zeit sich zu verlangsamen. Ansbert brach in irres Gelächter aus, während ein gellender Schrei den Platz erfüllte. Die Dogeressa erhob sich von ihrem Stuhl und Almenos gefror das Blut in den Adern. Ceara spürte wie die seltsamen Worte etwas in ihr zerbrechen ließen. Sie hatte geglaubt das lange Training habe ihr endlich die Kontrolle über ihre feurige Kraft gegeben, doch nun erkannte sie dass es nur ein kleiner Teil gewesen war der ihr zur Verfügung stand. Ansberts Worte aktivierten etwas dass das Feuerelementar Tir'Azall gut verborgen hatte. Und Ceara war fern jeglicher Kontrolle über diese Macht! Einen Moment lang versuchte sie noch das Feuer im Zaum zu halten, dann explodierte die Kraft und sandte eine Welle der Zerstörung über den Platz. Die Menschenmenge schrie in Panik auf, Maxin warf sich über Melissa und Almenos stolperte zurück. Er sah noch wie der vordere Teil der Residenz einstürzte, bevor er von der Macht der Elemente zu Boden geschleudert wurde...

Als der Stadthalter wieder zu sich kam waren nur Sekunden vergangen. Er hörte schmerzerfüllte Schreie und sah wie sich brennende Gestalten auf dem Boden wälzten. An unzähligen Stellen loderte Feuer und noch immer bröckelten große Steine an der Residenz herab. Doch es war etwas anderes das sich Almenos für immer ins Gedächtnis einbrennen sollte. Das Holzgerüst auf dem sich Ansbert befand stand lichterloh in Flammen. Das irre Lachen hatte sich in gellende Schreie verwandelt. Und noch immer fühlte der Stadthalter den Blick des Schurken auf sich. Erst als die Schreie erstarben und der Körper erschlaffte konnte Almenos sich wieder rühren. Ohne nach der Dogeressa zu sehen eilte er gen Residenz. Sein einziger Gedanke galt seiner Tochter...

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#5

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.04.2018 13:55
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Mehrere Tage waren vergangen. Die Feuer waren gelöscht und in Rimosel herrschte wieder Ruhe und Ordnung. Doch nur scheinbar... Unter der Oberfläche brodelte es und es verging kein Tag an dem nicht neue Gerüchte über das Geschehene hervor gebracht wurden. Am schlimmsten war dass es Tote gegeben hatte. Die wenigsten waren durch das Feuer gestorben, umso mehr in der folgenden Massenpanik. Die Zuschauer hatten einander überrannt, um dem Inferno zu entkommen. Die Vielzahl an Wachen war nutzlos gewesen, da die Bedrohung in diesem Fall von unschuldigen Bürgern ausging. Noch immer wurden dutzende Verletzte von Heilern versorgt und um manchen stand es nicht gut. Ob es nun Ceara's Schuld war oder nicht...für viele stand sie als Verursacherin all des Leides fest. Manche waren gar der Meinung das Monster müsse beseitigt werden!

Ceara war von der Explosion ins Innere der Residenz geschleudert worden und hatte das Bewusstsein verloren. Als sie wieder zu sich kam waren die panischen Schreie verklungen und regte sich Ansbert bereits nicht mehr. Mit schmerzenden Gliedern zog sich Almenos' Tochter bis an den Rand der eingestürzten Front und blickte auf den Platz hinab. Qualm biss ihr in die Augen und sie musste mehrfach blinzeln, bevor sie durch einen Tränenschleier etwas erkennen konnten. Zwischen all den reglosen Gestalten bewegte sich nur ein zierlicher Schemen. Immer wieder hielt er bei einem Toten inne und beugte sich herab. Eine Hand schien über das reglose Gesicht zu streichen und Momente später löste sich der Körper in grüne Energie auf. Schließlich stand der Schemen vor den Trümmern der vorderen Residenz und blickte zu Ceara hinauf. Er hob ihr seine Hand entgegen...
Almenos: "Ceara!"
Der Stadthalter drehte seine Tochter vorsichtig herum und sah dass sie nicht verletzt war. Das Feuer hatte alles aufgezehrt was sie noch vor einer Stunde am Körper getragen hatte. So zog Almenos das was von seinem Mantel übrig war von den Schultern und hüllte seine Tochter hinein. Mit einem Ruck hob er sie hoch und trug sie in Sicherheit...


In eine einfache Robe gekleidet stand Ceara im großen Saal der Residenz. Das Gebäude war nicht weiter einsturzgefährdet und Almenos hielt es immernoch für am sichersten seine Tochter hier zu behalten, bis eine andere Lösung gefunden war. Er hatte zwei Wachen angewiesen immer in ihrer Nähe zu bleiben, während er sich um das Wohl der Bürger kümmerte. Die Dogeressa war bereits wieder auf dem Weg gen Amerion. Ihr war nichts geschehen, doch Maxin hatte ihren Schutz mit einigen, schweren Verletzungen bezahlt. Die Heiler wussten nicht wie schnell er sich erholen würde und so hatte man ihn vorerst in Rimosel behalten. Mehr Sorgen hatte sich Melissa allerdings um Ceara's weiteres Wohlergehen gemacht. Sie befürchtete dass es erneute Ausbrüche geben würde und wollte ihre Ratgeber konsultieren.
Im großen Saal trat Ceara an die teilweise verglaste Flügeltür, die hinaus in den Garten führte. Mehrere der quadratischen Scheiben wiesen Risse auf, doch die junge Frau konnte trotzdem gut hindurch sehen. Die Idylle wurde getrübt als sie mehrerer Männer gewahr wurde, die sich scheinbar gewaltsam Zutritt verschafft hatten. Einer von ihnen hatte Ceara bereits erspäht und machte die anderen mit einer knappen Geste auf sie aufmerksam. Während vier von ihnen die seitliche Treppe zur Terrasse hinauf eilten, holte der verbleibende einen faustgroßen Stein aus einem Beutel und schleuderte ihn. Ceara taumelte zurück als der Stein das Glas durchschlug und sie nur knapp verfehlte. Sekunden später wurde die Tür zum großen Saal aufgerissen und die Wachen stürmten herein. Sie taxierten die Lage und erkannten die sich nähernden Eindringlinge.
Wache: "Mylady, tretet zurück!"
Ceara reagierte erst langsam, doch rannte dann aus dem Raum. Hinter sich hörte sie Glas bersten und ein schmerzverzerrter Schrei hallte durch den Gang. Die junge Frau lief in das einzige Zimmer von dem sie wusste dass es eine verstärkte Tür hatte: Das Arbeitszimmer ihres Vaters! Sie warf die Tür hinter sich zu und ließ den Riegel einschnappen. Kochend heiße Tränen rannen ihr die Wange hinab und langsam hämmerte sie ihre Fäuste gegen das Holz.
Ceara: "Sie tun Recht daran mich zu hassen. Aus mir wird immer mehr ein Monster...und Monster haben in dieser Welt keinen Platz!"
Zorn wallte in ihr auf. Vielleicht war das ihre Bestimmung. Vielleicht...
Ceara: "Nein! Ich werde nicht aufgeben! Ich werde mich nicht zur Sklavin dieser Kräfte machen. Ich werde mein eigenes Schicksal finden!"
Sie wandte sich von der Tür ab und wischte sich übers Gesicht. Der Zorn verebbte langsam und ihr Blick blieb an etwas hängen das auf einem Schränkchen lag: Eine Ocarina! Es war für Ceara wie ein Geschenk. Die Ereignisse hatten sie hierher getrieben...oder geführt!? Vor Jahren hatte der einstige Baron Savenius die Ocarina an Almenos überreicht. Die Tochter des Stadthalters wusste dass man damit Kiacor rufen konnte. Und hatten sich die beiden nicht immer gut verstanden? Sicher würde sie ihr helfen und nicht als das Monster verurteilen dass die Bürger Rimosel's nun in ihr sahen. Ceara nahm die Ocarina vorsichtig in die Hand und setzte sie an die Lippen...

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#6

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.05.2018 19:19
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Es waren viele Tage vergangen bis Kiacor erschien. Der weibliche Taschendrache hatte nach Anbruch der Nacht auf sich aufmerksam gemacht und war auf dem First gelandet. Als Ceara auf das Dach hinauf kletterte, hatte Kiacor bereits die Gestalt einer jungen Frau angenommen. Die Illusion konnte jedoch nicht die Sorgenfalten verbergen die ihr Gesicht rahmten. Zu viel hatte sie in den letzten Monden heraus gefunden. Zu viel war passiert.
Ceara: "Danke dass du gekommen bist! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu erzählen..."
Und dann sprudelten die Worte aus der Tochter des Stadthalter, wie ein Wasserfall der Erleichterung. Kiacor hörte aufmerksam zu und legte Ceara immer wieder die Hand auf die Schulter. Im Grunde ging es ihnen beiden ähnlich. Eine große Last drückte sie hernieder und sie wussten nicht wie sie damit umgehen sollten. Doch vielleicht konnten sie einander helfen! Im Kopf der Drachin nahm ein Plan Gestalt an, der zu ihrer beider Vorteil sein mochte. Allerdings konnte sie Ceara zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in alles einweihen.
Kiacor: "Ich wäre gefeit vor deinem feurigen Temperament, doch es ist keine dauerhafte Lösung einfach nur die Menschen zu meiden. Vielleicht gibt es einen anderen Weg dir Linderung zu verschaffen, denn in den Bergen südlich von hier steht ein vergessener Schrein. Dich aus der Stadt zu bringen wird allerdings nicht einfach. Dafür braucht es einen Meister. Und ich glaube genau zu wissen wer dafür geeignet ist! Ich bitte dich nur um etwas Zeit. Es ist eine weite Reise."
Ceara nickte und umarmte Kiacor dankbar. Sie würde warten...und dann wäre sie endlich frei!

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#7

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 21.06.2018 21:14
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Die Schenke der mutigen Recken war wie so oft gut besucht. Es gab kaum jemanden der diesen gehobenen Ort, im Norden Amerions, nicht kannte und nicht wenige die sich mit falschem Namen ein Getränk ergaunern wollten. Erik, der Wirt, hatte schon so manchen falschen Jaro vor die Tür gesetzt und war zugleich stolz auf die Kohlezeichnung über dem großen Kamin. Diese zeigte Lady Hanka, die bei ihrem letzten Besuch im Stadtstaat in der Schenke eingekehrt war. Neben den Tischen und Bänken aus schwerem Holz gab es mehrere Nischen, in denen immer nur zwei Gäste Platz fanden. In einer solchen saß eine junge Dame, die Erik zuvor noch nie gesehen hatte. Doch der Mann der soeben auf diese Nische zuhielt war ihm bestens bekannt...

Kiacor hatte die Gestalt einer Frau angenommen die sich einst in den Wäldern der Elfen-Au verirrt hatte. Natürlich hatte die Taschendrachin ihr geholfen, doch nicht ohne sie zuvor etwas zu erschrecken. Bei der Erinnerung musste Kiacor zum wiederholten Male lächeln. Ihr war bewusst dass jede ihrer Illusionen nicht gänzlich perfekt war und immer ein Teil ihrer wahren Natur durchblitzte. Daher hatte sie weite Kleidung gewählt und sich den Platz in der Nische ausgesucht. Der Mann der nun auf sie zuhielt war kein geringerer als der berühmte "Füchs". Es war nicht leicht gewesen ihn zu kontaktieren, doch das Angebot dass sie ihm zu machen hatte war scheinbar zu verlockend gewesen. Sein Blick hing einen Moment an ihrem verabredeten Erkennungszeichen, bevor er sich gekonnt verbeugte und dann Platz nahm.
Füchs: "Meine Dame, ihr habt keine Vorstellung wie lange es gedauert hat in Amerion eine Blume aus den 12 Auen zu finden."
Kiacor lächelte und nickte ihm zu.
Kiacor: "Und doch habt ihr euch die Mühe gemacht, mein Herr."
Ihr Gegenüber lächelte ebenso und machte es sich etwas bequemer.
Füchs: "Ich soll also etwas für euch...entwenden? Und bei der in Aussicht gestellten Belohnung nehme ich an dass es sich um nichts geringes handelt!"
Kiacor: "Nicht etwas, sondern jemanden!"
Für einen Moment hob sich eine Augenbraue des Meisterdiebes.
Füchs: "Meine Dame, der Füchs entführt niemanden! Er stiehlt Dinge von neu ernannten Würdenträgern, um sie schließlich wieder zurück zu geben."
Das Lächeln verging Kiacor nicht, denn sie wusste nur zu gut wie ihr Gegenüber arbeitete.
Kiacor: "Ihr tut dies weil ihr seit langer Zeit auf der Suche nach etwas seid. Und ich verspreche euch, wenn ihr diesen Auftrag zu meiner...Zufriedenheit erfüllt, wird eure Suche beendet sein."
Ein kurzes Aufblitzen in den Augen des Mannes ließen seine Neugier oder seinen Unglauben durchscheinen.
Füchs: "Ihr habt nichts um eure Worte zu beweisen. Und ich glaube viel mehr dass dieser...Menschenraub in mein Verderben führen soll. Ich bedaure, doch ich muss euer Gesuch..."
Die Hand der Taschendrachin knallte etwas auf den Tisch und einen kurzen Moment wandte sich aller Aufmerksamkeit auf sie. Der "Füchs" war der Einzige der bemerkte, dass der Ärmel der Dame verrutscht war und statt Haut feine Schuppen zu sehen waren. Kiacor flüsterte gepresst:
Kiacor: "Diese Notizen werden euch zu einem Versteck von Merilas Adlerfeder führen. Er besucht es nur sehr selten und wenn es etwas gibt dass er verheimlicht werdet ihr es dort finden. Glaubt ja nicht dass ich nicht über euch Bescheid wüsste...Bolthar."
Sie zog ihre Hand zurück, doch der "Füchs" griff nicht sofort nach dem Stück Pergament. Seine Augen versuchten noch mehr Anzeichen zu finden...doch vergeblich. Schließlich hauchte er:
Füchs: "Ihr seid ein Drache..."
Kiacor riskierte einen Seitenblick und stellte erleichtert fest, dass sich niemand mehr um sie kümmerte. Vorsichtig nahm der Meisterdieb das Pergament an sich und warf einen Blick darauf.
Füchs: "Wann, wo und vor allem...wen!?"

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#8

RE: Vor "Das Licht zwischen den Welten"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.07.2018 16:28
von Solonia Orga • 64 Beiträge

Zuerst waren es nur Gerüchte aus Layir. Dann erreichte eine Nachricht aus Lyrom die Dogeressa. Hunderte Orks aus den östlichen Landen bewegten sich gen Westen, wobei sie die Städte umgingen und versuchten in den Wäldern zu bleiben. Was zuerst wie eine schlampige Invasion wirkte, offenbarte bald eine viel schrecklichere Wahrheit...

Vierter Monat, nahe der Stadt Melgid

Die Grenzpatrouille hatte den kleinen Wald im Osten Ylos' erreicht und rastete für einen Moment. Sie würden bald zur Stadt zurückkehren, Meldung machen und ein paar Tage den ruhigeren Dienst innerhalb der Stadtmauern genießen.
Keiner achtete zuerst auf das gelegentliche Knacken im nahen Unterholz, bis plötzlich ein zotteliger Ork ins Freie trat. Der Hauptmann der Patrouille rief seine Männer sofort zu den Waffen, da in den Händen des Orks eine doppelköpfige Axt lag. Und obwohl er nun still stand, waren weitere Geräusche zu hören. Der Hauptmann überlegte was zu tun war. Wahrscheinlich waren es zu viele dieser Biester, als dass ihre kleine Gruppe Stand halten konnte. In diesem Moment trat ein weiterer Ork aus dem Wald, der kleiner wirkte und ein Bündel in seinen Armen barg. Der Ork mit der Axt knurrte ihm etwas zu und fixierte dann wieder die Menschen.
Ork: "Wir nicht kämpfen wollen! Suchen Weg fort von...nicht sichtbarem Tod!"
Mittlerweile traten immer mehr Orks an den Waldrand. Der Hauptmann und seine Männer erkannten dass es sich nicht um einen Kampftrupp handelte. Sie erblickten Frauen, Kinder und ältere Orks, die viele Dinge bei sich trugen. Nur wenige Kämpfer beschützten sie und bildeten nun einen Schutz gegen die Menschen, die sie nicht einschätzen konnten.
Hauptmann: "Männer, senkt die Waffen! Wir werden...verhandeln."
Er steckte sein eigenes Schwert weg und trat auf die Orks zu. Zugegeben er fühlte sich dabei nicht sonderlich wohl, doch er bedeutete seinen Männern ihm nicht zu folgen.
Hauptmann: "Im Namen der Dogeressa von Amerion, Protektorin der Lande der Mitte, fordere ich euch auf mir den Grund eures...Besuchs zu erklären!"
Der Ork der als erstes aus dem Wald getreten war, legte die Axt locker auf seine Schulter und trat vor. Die anderen Kämpfer zeigten keinerlei Entspannung und beobachteten das Geschehen.
Ork: "Ich sein Rak'karr, Führer des Stammes der Tur'Maruk!"
Er ließ seine Axt von der Schulter gleiten und stellte ihren Kopf auf den Boden. Die Hände legte er auf das Ende des langen Stiels.
Rak'karr: "Vor vielen Sonnen unser Schamane hörte Schreie von Land. Mit unserem Häuptling und vielen, guten Kriegern er ging gen Aufgang der Sonne. Zwei Sonnen vergingen und nur ein Krieger kehrte zurück. Sagte nur er habe unsichtbaren Tod überlebt. Alle anderen seien gegangen in grünes Leuchten. Ohne Kampf...ohne Ehre. Wir erst nicht geglaubt, doch bald sahen mit eigenen Augen. Es kriechen langsam über das Land und sein doch nicht aufzuhalten. Das Auge sieht was es tut. Alles Leben hinter dem unsichtbaren Tod ist fort. Wir geflohen, um Schutz zu finden. Fort von unsichtbarem Tod!"
Der Hauptmann wusste nicht recht was er von dem Gehörten halten sollte, doch er wusste dass klügere Männer als er sich dieses Problems annehmen mussten. Er deutete gen Melgid.
Hauptmann: "Wir bieten euch an mit uns zu kommen und am See, nahe der Stadt, zu lagern."
Rak'karr blickte zu der fernen Stadt und überlegte einen Moment. Dann nickte er.
Rak'karr: "Wir euch folgen. Doch wir nicht bleiben lange. Werden suchen Orks in anderem Land!"
Der Hauptmann nickte ebenso und wandte sich seinen Männern zu.
Hauptmann: "Steckt die Waffen weg, doch bleibt aufmerksam!"
So setzte sich die ungleiche Gruppe in Bewegung und erreichte Melgid kurz nach Einbruch der Nacht...

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