#1

Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.03.2017 17:50
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Mehrere Wochen nach "Des Traumes Splitter".

Die Nacht war bereits herein gebrochen und ließ die Sterne am Himmel funkeln. Während der abnehmende Mond die Umgebung nur schwach erhellte, warteten Iovara und Rouven auf die Ankunft des Verderbers. Rouven verzog den Mundwinkel.Vielleicht hatte er die Sonne zum letzten Mal gesehen, denn die Ereignisse des Turniers waren alles andere als gut für ihn und seine Komplizin gelaufen. Zumindest mit dem Leben waren sie davon gekommen und Rouven hatte nicht vor sich wie ein Feigling zu verstecken. Nein...das war seinem Vater immer sehr wichtig gewesen: Aufrecht stehen und sich nicht mit dem Wind drehen. Die Entscheidungen führen zu Taten und daran muss sich jeder messen lassen.

Iovara: "Vielleicht erscheint er nicht..."
Rouven schwieg. Er konnte der Magierin nicht viel abgewinnen. Seit sie den Hexern aus ihrer Welt gefolgt war und ihren Namen geändert hatte, schien sie sich stetig nach neuen Möglichkeiten umzusehen ihre Macht zu mehren.
Iovara: "Außerdem ist mir kalt... Wenn wir..."
Rouven: "Er wird bald hier sein. Genieße jeden Moment der dir noch vergönnt ist."

Sie hörten Risol bevor sie ihn sahen. Mit kräftigen Flügelschlägen näherte er sich und glitt, einem Schatten gleich, vom Himmel herab. Als der untote Drache gelandet war wandelte er seine Gestalt. In seiner wohlbekannten, humanoiden Form trat er auf die Wartenden zu...nur seine roten Augen glühten deutlich sichtbar. Der Schädel schimmerte matt und beinahe schien es als weigere er sich den Mond widerzuspiegeln. Seine Stimme war eisiger als die Nacht und es war deutlich spürbar wie enttäuscht er war. Zu Rouven's Erstaunen war er nicht wütend, sondern sehr beherrscht.
Risol: "Ich gab jedem von euch eine einfache Aufgabe. Nuriel sollte den König töten und in Ketten gelegt werden. Doch wichtiger noch war das Erlangen des Schwertes der Elemente, um an den schwarzen Stein zu kommen, der in der Macht der Träume verborgen lag."
Iovara ging auf die Knie und neigte den Kopf vor Risol.
Iovara: "Mein Herr Risol...wir konnten das Schwert der Elemente erringen, doch war..."
Risol's Stimme schnitt ihr das Wort ab und fast schon behutsam legt er seine rechte Klaue unter ihr Kinn. Langsam hob er es an, damit sie ihn ansehen musste.
Risol: "Ihr habt versagt. Und nur das ist von Belang."
Seine linke Klaue fuhr beinahe zärtlich über ihre rechte Wange und hinterließ mehrere, blutige Striemen. Dann ließ er sie los und wandte sich Rouven zu.
Risol: "Die Rüstung die ihr tragt haben sich eure Ahnenherren einst mit großen Taten verdienen müssen."
Die Klauen hakten sich an den empfindlichen Stellen zwischen die einzelnen Rüstungsteile.
Risol: "Ihr müsst euren Wert erst wieder beweisen, bevor ihr sie erneut tragt."
Mit einem hässlichen Geräusch rissen die Verbindungen der Rüstung und fielen die einzelnen Teile zu Boden. Rouven wollte den Kopf senken, doch zwang sich Risol weiter anzusehen.
Risol: "Wäre ich im Vollbesitz meiner Kräfte würde ich euch töten. Doch bedauerlicher Weise bin ich auf euch angewiesen, um meinen Plan voran zu treiben."
Rouven erwiderte die Worte mit einem grimmigen Lächeln.
Rouven: "Und was können wir wohl tun womit ihr als Drache nicht fertig werdet?"
Als Risol von ihm abließ entrang sich der Kehle des Drachen ein belustigter Laut.
Risol: "Die Dogeressa ist zu kurzsichtig um andere Wege einzuschlagen. Daher wird Merilas Adlerfeder bald erscheinen. Wenn dieser Moment gekommen ist werdet ihr euch um ihn kümmern."

Risol wandte sich von ihnen ab und legte seine Klaue einen Moment auf einen Beutel, der an seinem Gürtel hing. Der kalte Wind hatte das Blut auf Iovara's Wange bereits getrocknet und Rouven rührte sich immernoch kein Stück.
Risol: "Erwartet mich am Ewigen Sturm, südlich von Amerion. Ich habe noch ein paar Dinge vorzubereiten, bevor es mit Solonia zu Ende geht..."

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#2

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.04.2017 20:45
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Frühling des Jahres 1010.

Der Duft blühender Kirschbäume hing schwer in der Luft, als die Gräfin der Ross-Au auf einem Hügel nahe der Stadt Amerion ihr Pferd zügelte. Die Sonne stand hoch am Himmel und hüllte die Zinnen der gewaltigen Mauer in leuchtendes Gold. Hanke nahm sich allerdings nicht die Zeit den Anblick zu genießen. Zu viele Fragen waren noch unbeantwortet nach den Geschehnissen in der Dorn-Au. So gab sie ihrem Pferd die Sporen und gallopierte in hohem Tempo gen Stadttor. Vielleicht fanden sich hier ein paar Antworten...

Den Palast zu erreichen kostete Hanka mehr als zwei Stunden. Sie hatte fast vergessen wie groß Amerion war und wie geschäftig das Treiben der Bevölkerung. Die Straße wurde immer wieder von künstlich angelegten Kanälen gekreuzt und querte diese über hohe Brücken. Die Schrecken des Krieges lagen bereits über zehn Jahre zurück und es schien die gemischte Bevölkerung hatte das Entsetzen längst wieder dem Alltag untergeordnet.
Vor dem Palast der Dogen wurde Hanka einer Statue gewahr die den verstorbenen Semil Frejigd zeigte, einstigen Herrscher Amerions und Vater Melissa's. Er hatte sich mutig den Wandelwesen entgegen gestellt und sein Leben geopfert, bevor die Macht des Feindes gebrochen worden war. Noch ehe die Gräfin ihren Braunen zügeln konnte kam ihr ein Page entgegen, der mutig nach dem Zaumzeug griff. Die Herrin der Ross-Au schwang sich aus dem Sattel und nickte dem jungen Mann kurz zu. Dann machte sie sich auf den Weg ins Innere, um mehr als eine weitere Stunde damit zu verbringen einen Saal zu erreichen, in dem sie die Dogeressa treffen sollte.

Als die doppelflügelige Tür endlich aufschwang musste Hanka zuerst eine breite Treppe hinauf steigen. Noch während sie damit zugange war hörte sie irgendwo schräg über sich die laute Stimme eines Zeremonienmeisters.
"Wir haben das Vergnügen Lady Hanka, Gräfin von Rossdorf, Herrin der Ross-Au und Ehrenritterin von Amerion anzukündigen."
Die Angekündigte erreichte endlich den Absatz und sah sich zwei Wachen in goldgelber Rüstung gegenüber, die zu beiden Seiten einer jungen Dame standen. Dem Protokoll folgend stellte der Zeremonienmeister auch die Dogeressa vor, doch dies drang kaum an Hanka's Ohr. Sie fixierte Melissa die noch immer in Verdacht stand eine Betrügerin zu sein. Nach all den Jahren war es schwer eindeutig sicher zu sein. Die schwarzen, langen Haare waren zum Teil hochgesteckt und auch die körperlichen Konturen stimmten. Die Frau die im Herbst als Herrscherin Amerions aufgetreten war hatte gute Arbeit geleistet. Es würde an Details hängen. Geduld war geboten.
Als der Zeremonienmeister geendet hatte beugte die Gräfin das Knie und senkte den Blick. Die Dogeressa trat an sie heran und berührte sie am Kopf. Die Geste fühlte sich beinahe vertraut an.
"Erhebt euch, alte Freundin. Ihr habt einen langen Weg hinter euch und müsst hungrig sein. Ich habe veranlasst an einem besonderen Ort auftischen zu lassen."
Hanka richtete sich auf und gestattete sich ein Lächeln. Melissa wandte sich leicht einer Wache zu, woraufhin diese die nächste Tür öffnete. Die Dogeressa gab ihrem Gast einen dezenten Wink und ging voran.

Es musste einer der höchsten Punkte der Stadt sein. Hanka war der Dogeressa mehrere Wendeltreppen hinauf gefolgt, bis sie in einer Turmspitze ankamen die sich durch große Fenster in alle Himmelrichtungen öffnete. In der Ferne konnte sie das Meer sehen, auf der anderen Seite erstreckte sich die Amerionische Ebene mit dem Großen Spalt. Im Süden meinte sie sogar den Ewigen Sturm zu erkennen, doch wurde sie schnell vom köstlichen Geruch und dem Grummeln ihres Magens abgelenkt. Die Dogeressa schmunzelte und schickte die Wachen wieder hinab. Als sie allein waren schien eine gewisse Last von ihr zu fallen und sie entspannte sich mit einem Seufzer.
"Ich habe das Gefühl ich trage immer ein Korsett. Doch ich weiß auch dass ich es in eurer Gesellschaft lockerer schnüren kann. Verzeiht...was belaste ich euch mit meinen Sorgen. Bitte, greift zu. Ihr könnt mir während des Mahls eure eigene Sichtweise der Geschehnisse erzählen."

Die Sonne war bereits nah an den Horizont heran gerückt, als sie mit dem Mahl geendet hatten. Hanka hatte erfahren dass die Botschaften der Dogeressa abgefangen worden waren und der König somit über manipulierte Informationen verfügt hatte. Die Hochstaplerin sollte auf den Namen Iovara de Karkall hören. Ihre Spuren schienen kaum weiter als ein Jahr zurück zu reichen. Als wäre sie einfach aus dem Nichts aufgetaucht. Alles wirkte noch undurchsichtig, doch die Gräfin hatte mehr erfahren als sie zuvor erhoffte. Sie schob ihren Stuhl etwas zurück und erhob sich.
"Dann bleibt nur noch eines zu tun."
Aus einem Beutel holte sie einen länglichen Bergkristall hervor und zeigte ihn Melissa.
"Der König hat mehrere Magier der Auen damit beauftragt diesen Stein zu verzaubern. Er soll jede magische Energie aufdecken und sicher stellen dass die Hochstaplerin es nicht auf den Thron Amerions geschafft hat."
Die Dogeressa erhob sich langsam und verengte einen Moment die Augen. Hanka war klar welche Anschuldigung sie soeben vorgebracht hatte und manch ein Herrscher hätte dies sofort geahndet. Doch ihre Einschätzung Melissa's war richtig. Die junge Frau trat auf sie zu und nickte.
"Ich kann des Königs Bedenken verstehen. Es war klug von ihm euch in dieser Angelegenheit zu entsenden. Denn euch werde ich dafür nicht in den Kerker werfen."
Sie konnte ein Grinsen nicht unterdrücken und nickte dann ernst mit Blick auf den Kristall. Hanka führte ihn nah an sie heran, doch sah keinerlei Reaktion. Erleichtert entspannte sie sich wieder und wollte den Stein wieder in den Beutel legen, als er plötzlich tiefschwarz anlief. Melissa atmete erschrocken ein und deutete durch eines der Fenster. Hanka wirbelte herum und sah in der Ferne einen dunklen Schemen durch die Luft gleiten.
"Risol..."
Irgendwo unter sich hörten sie aufgeregte Schreie.
"Drache! Schützt die Dogeressa!"
Doch der Schemen hielt sich auf seiner Bahn gen Süden. Er hielt direkt auf den Ewigen Sturm zu, wo er schließlich landete...

Wird fortgesetzt...


zuletzt bearbeitet 01.05.2017 13:04 | nach oben springen

#3

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 01.05.2017 13:04
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Iovara und Rouven warteten abseits des Ewigen Sturms. Sie wussten dass der heilige Ort von einem Luftwächter beschützt wurde, der vor vielen Jahren vom Element erwählt worden war. Einst waren sie zu zweit gewesen, ein Mann und eine Frau. Doch Rouven hatte bei einer Erkundung des Geländes einen Gedenkstein gefunden, der keinen Zweifel zuließ dass der Mann bereits verstorben war. Die Wächterin war ihm noch nie zuvor begegnet, dennoch hatte sich ihr Gesicht in seinen Geist gebrannt. Tage zuvor hatte er von ihr geträumt. Wie ihr Blut an ihm klebte und sich etwas für immer veränderte...
Iovara: "Rouven...ich kann ihn sehen!"
Der einstige Verwalter der Ross-Au schreckte aus seinen Gedanken und sah zum Himmel. Wie ein schwarzer Schatten senkte sich Risol herab und landete. Einen Moment zog sich die Dunkelheit um ihn zusammen und formte seinen humanoiden Körper. Die Wartenden hielten auf ihn zu und blieben knapp hinter ihm stehen.
Risol: "Ich habe nicht viel Zeit mich dem Herrn der Luft zu widmen. Die amerionischen Narren werden bald hier sein und meine Konzentration stören. Iovara, ihr werdet sie mit eurer Magie aufhalten."
Iovara: "Verstanden, Herr."
Sie wandte sich um und eilte auf die Straße zu. Risol sprach nicht weiter und veranlasste Rouven zu einer vorsichtigen Nachfrage.
Rouven: "Welche Aufgabe habt ihr mir zugedacht...Herr?"
Risol drehte sich nicht zu ihm um, sondern starrte die sich stetig verändernde Windhose an. Mal nahm ihre Kraft zu und riss an den Bäumen, mal flaute der Sturm ab und wirkte wie eine frische Brise. Doch der Kegel den die Kraft der Luft in die Erde gegraben hatte ließ keinen Zweifel zu: Hier herrschte nur ein Element und dies mit voller Macht!
Risol: "Du kennst dein Ziel bereits, Rouven. Und dein Schicksal."
Mit diesen Worten setzte sich der Untote in Bewegung und hielt auf das Zentrum des Heiligtums zu. Rouven folgte ihm mit einigem Abstand und hielt seine Augen offen. Wusste Risol von seinen Träumen? Und was würde...
Unbekannte Stimme: "Keinen Schritt weiter!"
Rouven spürte die Spitze des Schwerts an seinem Rücken und schluckte seine Verärgerung herunter. Dass sich jemand unbemerkt an ihn heran schleichen konnte war...
Unbekannte Stimme: "Dreht euch um! Ich will euer Gesicht sehen!"
Er folgte den Worten nur langsam doch blickte der Luftwächterin schließlich in die Augen. Für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein Schatten über ihr Gesicht: "Ihr?"
Es überraschte Rouven dass auch sie ihn scheinbar erkannte.
Luftwächterin: "Dann war es wohl mehr als ein Traum."
Rouven: "Wir sind nicht die Marionetten einer höheren Macht."
Die Frau senkte das Schwert und schüttelte leicht den Kopf: "Es geht längst nicht mehr nur um uns und das was wir wollen. Alles führt auf eine unvermeidliche Konfrontation hin und wir sind Teil davon. Dennoch...haben wir eine Wahl."
Rouven: "Und wie soll diese Wahl aussehen?"
Luftwächterin: "Seit das Mädchen mit den grünen Haaren in Erscheinung getreten ist, sind die Elemente in Aufruhr. Sie spüren dass ER nach ihnen greift und fürchten sich. Ein jeder von uns muss sich nun entscheiden auf welcher Seite er steht.""
Rouven blickte einen Moment über die Schulter. Risol hatte mittlerweile den Rand des Kegels erreicht und seine Arme ausgebreitet.
Luftwächterin: "Ich, Aureliana, Wächterin der Luft, fordere euch hiermit zum Duell. Der Tod soll über den Sieg entscheiden."
Rouven bedauerte ihre Entscheidung, doch er nickte. Langsam zog er sein Schwert und sprach:
Rouven: "Ich, Rouven, nehme eure Herausforderung an. Der Tod soll über den Sieg entscheiden."
Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen als sich ihre Klingen kreuzten...

Risol's Stimme erhob sich gegen das Tosen des Sturms:
Risol: "Ich rufe dich herbei, Herr über Wind, Luft und Sturm! Die Zeit naht da die Elemente ihre Entscheidung treffen müssen und ich bin hier um euch diese abzunehmen."
Mit einem Grollen schwoll der Sturm an. Der Himmel schien sich zu verfinstern und langsam senkte sich ein Schemen durch die Windhose herab. Das elementare Wesen war beinahe durchsichtig und schien immer wieder in sich zusammen zu fallen, nur um sich erneut aufzubauen. Feine Staubkörner hoben die fragilen Konturen leicht hervor und jedes Wort schien von einem fernen Donner begleitet zu sein.
Elementarherr: "Die Elemente werden sich niemals einem Untoten beugen!"
Risol holte eine Kugel hervor auf der Symbole der Luft zu sehen waren. Er streckte sie dem Elementarherren entgegen.
Risol: "Ich weiß. Damit habe ich bereits gerechnet..."

Wird fortgesetzt...

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#4

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 14.05.2017 22:33
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Rouven war bei ihr als sie ihren letzten Atemzug tat. Aureliana hatte ihm einen verbissenen Kampf geliefert und nahm den tödlichen Streich beinahe erleichtert hin. Sie lächelte als sie auf die Knie sank und Rouven konnte nicht anders als sein Schwert fallen zu lassen, um sie am Zusammenbrechen zu hindern. Sie nickte dankbar und hielt ihre Hand auf die blutende Wunde. Dann strich sie über seine Stirn und flüsterte: "Il niath a'dar...ad'ar cantar."
Ihre Hand sank herab und ihr Körper entspannte sich. Momente später begann sich ihre Existenz aufzulösen und als grüne Energie in den Boden zu sickern. Aus dem Augenwinkel meinte Rouven einen Moment lang eine junge Frau zu sehen, aber als er den Blick wandte war er allein...

Urplötzlich erstarb der Ewige Sturm und die Windhose brach in sich zusammen. Jegliche Wolke löste sich auf und es blieb nur der Erdkegel als Zeugnis. Risol hielt triumphierend die Kugel in seiner Hand, in der sich nun der Elementarherr befand. Die Schatten begannen um ihn zu wabern und langsam wandelte er seine Form. Mit einem lauten Brüllen hob er ab und beschrieb einen engen Kreis. Sein Plan entfaltete sich zu seiner Zufriedenheit, doch noch war er nicht bereit...

Stunden später...

Rouven hatte nicht nach Iovara gesucht, sondern war gen Osten gegangen. Nahe einem kleinen Waldstück fand er einen Weiher, an dem er sich das Blut von der Stirn wusch. Die Ereignisse wollten keinen Sinn für ihn ergeben und so starrte er grübelnd in die sich glättenden Wogen. Gab es soetwas wie Vorbestimmung? Sponn jemand neben Risol noch eigene Pläne? Worauf steuerte letztlich alles hin? Er nahm einen Stein auf und wollte ihn in den Weiher fallen lassen. Als er sich selbst erblickte stockte er. Den Stein ließ er achtlos fallen und kniete sich herab. Er hatte sich nicht geirrt: Auf seiner Stirn leuchtete schwach ein Symbol. In milchigem weiß hob sich ein stilisierter Berg hervor und darüber kreuselten sich drei Linien. Das elementare Symbol für Luft. Rouven spürte wie sein Körper erschauderte und er hörte Aureliana's Worte in seinem Geist: "Alles führt auf eine unvermeidliche Konfrontation hin und wir sind Teil davon. Dennoch...haben wir eine Wahl."
Was hatte sie gewusst als sie ihre Wahl traf? Und beeinflusste ihre Wahl nun die seine? Rouven ballte die Faust. Nein! Er war Herr seiner Selbst. Er würde über sein eigenes Schicksal entscheiden und niemand sonst. Doch er spürte auch dass der bisherige Weg nicht dem entsprach was er wirklich wollte. Vielleicht war es Güte welche die Hand Aureliana's führte und ihm das Zeichen der Luft auf die Stirn brannte. Vielleicht war es sein Schicksal nicht so zu enden wie Ansbert. Es gab nur eine Möglichkeit dies herauszufinden! Rouven würde jemanden aufsuchen müssen dem er bereits zur Wahl des Auen-Königs begegnet war...

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#5

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.06.2017 19:42
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Savenius war im Sommer des Jahres 1009 verschwunden. Seitdem hatte Almenos nichts mehr von seinem guten Freund gehört. Er kannte das Schriftstück dass der ehemalige Baron der Elfen-Au seinem Nachfolger, Nuriel, hinterlassen hatte. Und ebenso wusste er von der Tragödie um Seleyana, der seit langem verschollenen Baronin. Es schien ihm als hätte Savenius nie mit ihrem Verlust abgeschlossen. Als hätte er immer gehofft es würde eines Tages ein Lebenszeichen von ihr geben.
Almenos verstand das nur zu gut. Er hatte Liadana verloren. Nur wusste er mit Sicherheit dass sie in den Strom des Lebens eingegangen war. Wie quälend wäre eine Jahrzehnte lange Ungewissheit gewesen? Der neue Stadthalter von Rimosel schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf den Waldweg. Er durfte sich nicht ablenken lassen!

Seit über einer Stunde ritt er durch das nördliche Groß-Alkalsa und folgte der Taschendrachin Kiacor. Sie war bei ihm erschienen und hatte von einer Spur zu Savenius gesprochen. Doch sie gemahnte ihn auch zur Eile. Es hatte ein seltsamer Ernst in ihrer Stimme gelegen und Almenos veranlasste alles, um schnell aufbrechen zu können. Ceara war in Sicherheit und genoss ihre magische Ausbildung. Zudem wollte Almenos nicht zu lange fort bleiben. Sollte er Savenius finden würde er ihn nach Rimosel bringen.

Als der Wald sich lichtete überblickte Almenos eine große Wiese. Kiacor war nirgendwo zu sehen, doch er wurde einer kleinen Gruppe gewahr die sich um etwas...oder jemanden...sammelte. Die vier Männer bemerkten ihn bald. Abgerissene Gestalten deren Kleidung und Ausrüstung bessere Zeiten gesehen hatten. Während der Stadthalter von Rimosel sein Pferd zügelte, verengte er die Augen. Er erkannte den Mann der am Boden lag. Als er vom Pferd stieg traten zwei der Fremden auf ihn zu und zeigten ihm grinsend ihre gelben Zähne. Amüsiert schwangen sie ihre Waffen.
"Sieh dir das an, Brak. Der Neuste in einer Reihe von Idioten die sich erdreisten die Stadt vom Boss zu regieren."
Ansbertianer! Almenos rann es einen Moment lang kalt den Rücken hinab. Diese gemeinen Söldner machten schon seit langer Zeit die mittleren Lande unsicher. Er zog sein Schwert und pfiff leise, was sein Pferd veranlasste davon zu traben. Seine Gegner nahmen ihn bereits in die Zange.
"Machen wir Wurmfutter aus ihm!"
Der als Brak angesprochene stieß vor und versuchte Almenos zu durchbohren. Dieser drehte sich seitlich weg, um sein Schwert über des Gegners Rücken zu ziehen. Brak stolperte zuerst, konnte sich jedoch nicht mehr fangen. Der zweite Ansbertianer war klüger. Er versuchte mit kraftvollem Schwung seine Keule gegen Almenos' Seite zu schmettern. Mit dem Schwert konnte dieser die harten Angriffe nur leidlich abwehren und versuchte so gut es ging auszuweichen. Als die Schläge etwas an Kraft verloren sprang Almenos vor. Er schlitzte dem Söldner die Seite auf, was die Lederrüstung leidlich verhinderte. Sofort folgte die linke Faust und schickte den Schurken zu Boden. Nur Momente später verfehlte ein Wurfmesser knapp sein Ziel und zog einer der Ansbertianer, die noch bei der reglosen Gestalt standen, ein weiteres. Er kam noch zum Ausholen...dann verwandelte er sich in eine schreiende Fackel. Auf den letzten Gegner stürzte eine Furie aus Leder und Schuppen. Almenos lächelte grimmig. Unterschätze niemals einen Taschendrachen! Er sah sich kurz um. Der eine Ansbertianer lag bewusstlos am Boden. Brak hatte bereits die Flucht ergriffen, auch wenn er starke Schmerzen beim Laufen haben musste. Das Schwert gesenkt haltend lief der Stadthalter Rimosel's zu der ihm bekannten Gestalt. Er packte ihn an der Schulter und drehte ihn herum. Ja, er hatte sich nicht geirrt. Es war Savenius. Doch er erschrak als er sah wie es um seinen Freund stand. Er wirkte schwach und an manchen Stellen war seine Haut schwarz gefleckt, so wie es bei Erdhüter Xandron gewesen war als man ihn vergiftete. Mit einem letzten, sichernden Blick steckte Almenos seine Waffe weg. Vorsichtig hievte er Savenius in die Höhe. Der Gestank des verbrannten Ansbertianer stieg ihm ins Gesicht und ließ ihn husten. Erst als er den ehemaligen Baron sicher gepackt hatte wagte er ein paar Schritte. Indes hatte Kiacor ihren Überraschungsmoment nicht vollständig nutzen können. Sie war vom Ansbertianer abgeschüttelt worden, der sie zu Boden stieß und mit seinem langen Messer ausholte. Aus dem Augenwinkel sah Kiacor einen weißen Schemen heran schießen, der hinter dem Söldner vorbei zog. Der dreckige Kerl stockte mitten in der Bewegung und brach dann zusammen. Aus seinen Ohren sickerte ein dünner Blutstrom. Kiacor rappelte sich auf. Der Schemen war bereits entschwunden. In diesem Moment pfiff Almenos nach seinem Pferd. Die Taschendrachin nahm ihre humanoide Gestalt an und sah noch einmal auf den toten Söldner. Was hatte sich da eingemischt? Sie lief zu den beiden ehemaligen Auen-Herren herüber und konnte sich noch keinen Reim auf ihren Retter machen. Für den Moment war es wichtig Savenius in Sicherheit zu bringen, denn es stand nicht gut um ihn. Zudem wusste sie was sich in der Nähe befand: Der Ort an dem einst Risol besiegt worden war...der Ort an dem sie selbst geboren wurde. Sie verdrängte den Gedanken und half Almenos so gut sie konnte.

Stunden später in Rimosel.
Almenos saß am Lager seines Freundes als dieser erwachte. Zuerst war Savenius etwas verwirrt, doch als er den Stadthalter erblickte entspannte er sich.
"Sorge dich nicht alter Freund. Du bist in Sicherheit und ich werde dir keine Vorträge halten."
Sein Gegenüber lächelte, auch wenn sein Körper sich furchtbar anfühlte.
"Ich war ihr nah...Almenos. Ich weiß sie ist irgendwo in diesem Wald und doch konnte ich sie nicht treffen. Es ist als würde sie sich vor mir zurück ziehen...meine Nähe meiden."
Tränen standen in seinen Augen da er sichtlich mit sich haderte. Er hatte viele Monate der Suche über sich ergehen lassen, nur um erneut enttäuscht zu werden. Almenos tat es im Herzen weh seinen Freund so zu sehen und er legte die Hand auf seine Schulter.
"Gibt es irgendetwas das ich tun kann?"
Einen Moment flammte soetwas wie Hoffnung in Savenius' Augen auf.
"Ich spüre das Gift in meinem Körper und weiß dass es keine Heilung gibt. Ich weigere mich die Hoffnung aufgeben meine geliebte Seleyana noch einmal zu sehen, bevor ich in den Strom eingehen werde."
Er schwieg einen Moment. Dann war seine Stimme wie ein Flüstern, als wollte er selbst nicht wagen zu hoffen.
"Ich bitte dich vielleicht um etwas unmögliches, Almenos. Doch ich bitte dich um ein Wiedersehen mit Seleyana. Sei es auch nur für wenige Augenblicke..."
Almenos versuchte optimistisch auszusehen während er nickte.
"Ich verspreche dir dass ich alles tun werde um dies zu ermöglichen!"

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#6

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.07.2017 15:08
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Die ersten Sonnenstrahlen stahlen sich ihren Weg durch die Bäume. Tautropfen funkelten in unzähligen Facetten wie Edelsteine. Vorsichtig und mit Bedacht schlich eine junge Mystral durch das Unterholz. Feine Nebelschwaden erhoben sich aus dem feuchten Moos das sich wie ein schwerer Teppich über den Waldboden erstreckte und jeden ihrer Schritte dämpfte. Sie summte einen leisen Singsang der die Waldbewohner in ihrer Nähe beruhigte damit ihre Anwesenheit unentdeckt blieb. Schon einige Zeit folgte Lyra diesem leisen Schluchzen. Es schien sich ständig zu bewegen – blieb nie lange an einem Ort, weshalb sie die Richtung alle paar Schritte anpassen musste.
Plötzlich war es still und die zierliche Frau blieb augenblicklich stehen. Die Vogelgesänge erstarben abrupt, nicht das kleinste Rascheln war mehr zu hören. Da fiel ihr Blick auf die Gestalt die unweit hinter dem riesigen Wurzelteller eines umgestürzten Baumes kauerte. Das Gesicht in ihre Hände vergraben wimmerte das Wesen vor sich hin. Lange spitze Ohren lukten zwischen den dunklen Haaren hervor, das ihr lang über die Schulter fiel. ‚Eine Elfe‘, dachte Lyra bei sich und betrachtete sie aufmerksam. Das Haar war zerzaust, Blätter und kleine Zweige hatten sich darin verfangen. Der schwere Stoff ihrer Kleidung ließ trotz starker Verschmutzung und Abnutzung auf eine wohlhabende Dame schließen - zumindest soweit das Lyra beurteilen konnte. Sie schien nicht verletzt zu sein, weder waren Wunden zu sehen noch lag der kupferartige Geruch von Blut in der Luft. Doch irgendetwas stimmte nicht. Lyra streckte ihre Sinne aus und versuchte herauszufinden was. Eine unheilvolle Aura umgab die dunkel gekleidete Frau. Lyra konnte die Bedrohung fast greifen als es ihr klar wurde. Zu viel schon hatte man ihr über die Strigoi erzählt. Dieses Volk gehört wie das der Mystrale zu den Schattenwandlern. Grundsätzlich vertrugen sich die verschiedenen Wesensarten, doch es konnte bei allen Spezies schwarze Schafe geben. Und ein vom Weg abgekommener Strigoi konnte einem Mystral äußerst gefährlich werden – Lebensgefährlich.
Unvermittelt hörte das Schluchzen auf. Langsam hob die unheimliche Frau ihren Kopf und blickte sich um. Lyra verschlug es den Atem als der stechende Blick der Elfe auf ihr hängen blieb. Obwohl gut geschützt durch das dichte Blätterwerk hatte die Strigoi keine Probleme die junge Mystral auszumachen. Als diese erkannte um welches Wesen es sich handelte, wurde ihr Blick weich und brachte sogar den Ansatz eines Lächeln zustande.
Lyra nahm all ihren Mut zusammen, die Worte sprudelten aufgeregt aus ihr hervor als sie rief: „Was ist mit ihnen? Wer sind sie? Sind sie verletzt? Kann ich Euch helfen?“. Mystrale waren in erster Linie mächtige Heiler. Sie konnten mit ihren Gesängen und dem schier unendlichen Wissen über die Heilkräfte der Natur alle Lebewesen von nahezu jedwedem Gebrechen heilen. Lyra war noch etwas: Neugierig! Was sie nicht gerade selten in unangenehme Situationen brachte. „Das sind viele Fragen die sich nicht einfach beantworten lassen“ gab die Elfe zurück. „Doch ich werde mir Mühe geben. Komm, setz dich zu mir.“ Sie tätschelte mit der Hand auf das weiche Moos neben sich. Zögernd und nur sehr langsam setzte Lyra einen Fuß vor den anderen. Ständig auf der Hut sich im Notfall in eine Taube zu verwandeln um einer etwaigen Gefahr zu entkommen.

Die letzten Sonnenstrahlen strichen über die Baumwipfel als die junge Frau Stunden später in ihr Dorf zurückkehrte. Viele der Mitbewohner hoben fragend den Blick als sie tief in Gedanken versunken auf ihre Behausung zuging und dabei niemanden eines Grußes würdigte. Ihre Gedanken überschlugen sich und verwirrten sie. Mit einem leisen Seufzen schloss sie die Tür hinter sich und lies auf den Boden sinken. „Es muss doch einen Weg geben…“ Mit einem ratlosen fast verzweifelten Blick schaute sie durch die fensterlose Öffnung in den Himmel hinauf, als läge die Antwort in den Sternen.

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#7

RE: Vor "Die ver-siegende Flamme"

in Zwischen den Veranstaltungen 15.08.2017 20:14
von Solonia Orga • 35 Beiträge

Das Jahr 959

Risol war endlich besiegt! Es hatte unzählige Leben gekostet, doch schließlich war es vollbracht! Während Merilas Adlerfeder neben dem gefallenen Koloss kniete, durchstreiften mehrere Soldaten die tieferen Kammern des Drachenhorts. Sie wollten sicher stellen dass in Zukunft kein echsisches Gezücht mehr die solonischen Lande unsicher machte. Jedes Ei das sie fanden wurde zerschmettert...bis nur noch eines übrig war. Es lag unbemerkt in einer verwinkelten Höhle und beherbergte den letzten Drachen Solonia's.

Einer nach dem anderen stiegen die Soldaten wieder aus dem Hort. Nur einer hatte die Suche noch nicht aufgegeben. Sein Streitkolben triefte von den Überresten mehrerer zertrümmerter Eier und seine Augen starrten stumpf. Er hatte viel an Risol verloren. Sein gesamtes Dorf war zu Asche verbrannt worden, während er, viele Meilen entfernt, einem befreundeten Händler Geleitschutz gegeben hatte. Keiner der ihm lieb gewesen war hatte überlebt. Und so blieb ihm nur diese Grausamkeit zurückzuzahlen.

Eine Bewegung ließ ihn stocken. Im hintersten Teil der Höhle schien eine Welle durch einen Teil des Steins gegangen zu sein. Der Soldat trat näher und betastete den rauen Fels. Nichts. Hatte er sich dies nur eingebildet? Sein Blick glitt zur Seite und er erspähte das gut versteckte Ei. Die Lippen des Mannes verzogen sich zu einem höhnischen Grinsen als er näher trat und seine Waffe hob...

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